You are here: Repository > Geschichten
Deutsch
English
Español

Paris

Eine Geschichte von Christian Domingo aus dem Jahre 2005

 

Der Auftrag

An jenem verregneten Septembermorgen ging Angela in das Büro ihres Chefs. Sie hatte schlechte Laune und überhaupt so gar keine rechte Lust. Die letzten Wochen waren ziemlich ätzend gewesen. Viel Arbeit, im Privatleben immer die gleichen Geschichten und irgendwie bahnte sich wieder mal eine kleine Depression an. Nun, Holger, ihr Chef empfing sie mit einem leichten Lächeln. Er spürte wohl Angelas momentane Gemütsverfassung und bedeutete ihr, erst einmal Platz zu nehmen.

Angela hatte keine Ahnung, warum Holger sie zu sich ins Büro lud. Im Augenblick waren alle mit dem Projekt beschäftigt und jeder versuchte seinen Anteil zu liefern. Sie setzte sich. Holger hantierte noch mit einigen Papieren in der Hand herum und versuchte wohl, diese an eine geeignete Ablage hinzulegen. Sein Schreibtisch war ein einziges Meer an Kraut und Rüben- das geordnete Chaos sozusagen. Doch er hatte immer den Überblick. Legte jemand etwas an eine andere Stelle, dann hörte man nur einen cholerischen Tobsuchtsanfall, die Sekretärin musste ins Büro und dann wurde es noch einmal etwas lauter. Nun, seit einiger Zeit passierte das nicht mehr, da alle Bescheid wussten.

Holger meinte nun: "Angela," alle duzten sich, "warum ich mit dir sprechen möchte. Nun, ich mache es kurz, damit du nicht auf falsche Gedanken kommst. Es geht um eine kleine Reise, die du für mich machen musst. Ich währe sehr froh, wenn du nächste Woche auf das Meeting in Paris fahren könntest und einen kurzen Zwischenbericht zu unserem aktuellen Projekt vortragen. Ich selber bin verhindert und finde, dass du die richtige für diesen Job bist."
Angela stockte der Atem. Was hatte sie da gehört? Sie war einen kurzen Augenblick völlig konstatiert. Das hatte sie in dem Dreivierteljahr, das sie nun in der Firma arbeitete, nicht gedacht.
Holger hatte sehr gute Menschenkenntnis und umschiffte die kurze Pause, die entstanden war, indem er Angela einen Kaffee anbot. Er hatte eine kleine Espressomaschine, wo er sich im Nu einen leckeren Schluck zubereiten konnte. Italienischer Kaffee - direkt importiert, da Holger dort gute Freunde hatte, die ihn versorgten- der wurde immer angeboten.

Angela räusperte sich und mit ein wenig rotem Teint im Gesicht antwortete sie, nachdem sie sich gefasst hatte: "Um ehrlich zu sein, ich bin ziemlich überrascht. Ich hätte an jede andere aus dem Team gedacht, doch nicht an mich. Ich weiß gar nicht so recht, was ich dazu sagen soll." Holger schmunzelte und erwiderte: "Nun, Angela, du hast bisher hervorragende Arbeit geleistet, du bist sehr beredet und durch deine attraktive Erscheinung kannst du unser Projekt angemessen vertreten. Außerdem soll es für dich ein kleines Signal sein, weiter so zu arbeiten und es ist vielleicht auch ein Bonbon, sozusagen eine kleine Belohnung für deine integrative Teamfähigkeit. Nun, ich habe nicht viel Zeit. Willst du die Aufgabe übernehmen?"

Ja, sie wollte. So eine Chance sollte man nicht an sich vorbeiziehen lassen. Etwas benommen sagte sie zu. Ihr Chef lächelte ihr mit einem etwas väterlichem Gesichtsausdruck zu und wies sie schon wieder aus dem Zimmer. Dabei sagte er, dass sie sich umgehend um die Anreise kümmern solle, er schon einige Dokumente vorbereitet hätte, die sie haben könnte und schon war sie draußen auf dem Flur.

Petra, eine Kollegin lief ihr fast in die Seite, da Angela noch wie in Trance war. Petra sagte erschreckt:" Huch, da wäre es beinahe passiert. Alles in Ordnung?" Angela wachte nun auf. Sie schüttelte sich und musste breit grinsen. Petra verstand es nicht ganz, und etwas irritiert ging sie ihrer Wege.

Angela hatte alle Dokumente dabei. Doch Heutzutage geht es ohne Laptop und Beamer nicht mehr. Was Technik anging, da stand sie keinem männlichen Freak hinten an. Sie interessierte sich sehr für EDV und alles was damit zusammenhing. Das war vielleicht auch damals der entscheidende Grund gewesen, dass sie angenommen wurde. Doch ein noch viel grösseres Bedürfnis war für Angela der Tanz. Ja, sie tanzte abgöttisch gerne und vor allem Salsa. Sie ging so oft es ging und die Arbeit es zuliess in die angesagten Salsatecas der Stadt und lebte dort ihren Bewegungsdrang aus.

Die Ankunft

Der Flieger ging um 7.30 Uhr. Die Abflughalle war überfüllt mit Geschöftsleuten, einigen Urlaubern und Flughafenangestellten. Lautsprecheransagen hallten schlecht verstöndlich und überall waren Hinweisschilder, Leuchtanzeigen und überhaupt war dieser Flughafen einer der unübersichtlichsten, die es gab. Angela, ließ sich dadurch nicht schocken. Sie war zwar kein Routinier, was Geschöftsreisen anging, doch das nötige Maß an Coolness konnte sie locker aufbringen.

Überhaupt war Angela eine Realistin. Sie schaute den Tatsachen oft nächtern ins Auge und ärgerte sich nicht übermäßig, wenn etwas schief ging. Was ihr emotionales Leben anging, so war sie durchaus in der Lage tiefe Gefühle zu entwickeln, doch sie hatte sich immer gut im Griff - manchmal vielleicht ein wenig zu viel. Einen Partner hatte sie im Moment nicht. Die letzte Beziehung ist nach 4 Jahren Zusammensein in die Brüche gegangen und sie hat lange damit gekämpft, wieder auf die eigenen Beine zu kommen. Sie hatte Wunden bekommen, doch diese sind nun geheilt und haben sie stark gemacht. Sie hat Salsa als einen Tanz für sich entdeckt, bei dem sie ihren Bewegungsdrang aber auch ihre Leidenschaft und Erotik ausleben konnte.

Der Flug verlief ruhig und in Paris angekommen, war wieder nervige Hektik am Abflughafen zu spüren. Das Auschecken und Abholen der Gepäckstücke ging erstaunlich schnell.
Angela hatte sich einen Mietwagen geordert und musste die Papiere und den Schlüssel am Terminal der Autovermietungen abholen. Sie liebte es eigenständig zu reisen. Man hätte sie auch abholen können, doch das verbot ihr Stolz. Schließlich war sie kein kleines Mädchen und war durchaus in der Lage sich selber durch das Leben zu schlagen. Außerdem fuhr sie gerne Auto und man hatte ihr gesagt, dass die Leute in Frankreich einen recht sportlichen Fahrstiel hätten. Das passte sehr gut zu ihr. Denn jeder ihrer - vor allem männlichen- Beifahrer machten oft drei Kreuze, wenn sie ihren Zielort erreicht hatten, und alles unbeschadet geblieben war.

Im Hotel wurde sie freundlich begrüßt, die Zimmerschlüssel wurden ihr übergeben und ein Zimmerboy half, ihre Koffer zu tragen. Sie gab dem Knaben ein kleines Trinkgeld an der Zimmertür und als sie die Tür hinter sich schloss, musste sie tief durchatmen. "Endlich Ruhe", die Spannung der Reise hatte sie doch ein wenig mitgenommen. Sie inspizierte die Räumlichkeiten. Es war ein nettes Zimmer, modern eingerichtet, sauber und hell. Es hatte Südlage und so war noch bis spät in den Abend mit Licht zu rechnen. Ob sie davon etwas haben könnte, das war noch nicht vorherzusehen. Sie hatte für zwei Nächte gebucht, da das Meeting ebenfalls zwei Tage dauern sollte. Zwischenzeitlich war sogar ein wenig Sightseeing möglich, so dass sie das Städtchen inspizieren konnte. Und was sie am meisten reizte waren die vielen Salsatecas der Stadt. Sie hatte sich informiert, wo man hingehen könne und dies auch ihn ihrem Aufenthalt mit eingeplant.

Angela fing an sich auszuziehen. Sie hing ihre Jacke auf, zog die hellen Schuhe aus, wobei sie stöhnte. "Diese engen Dinger sind doch manchmal ein Martyrium." dachte sie. Auf dünnen Socken laufend warf sie sich auf das Bett. Sie reckte und streckte sich dabei und musste herzhaft gähnen. Flugs entledigte sie sich sitzend ihres Rockes und knüpfte ihre Bluse auf. Ihre feine Unterwüsche glänzte noch im matten Schein der nun langsam untergehenden Sonne. Sie mochte schöne Kleidung und hatte dabei immer viel Liebe in der Auswahl der Dessous. Manchmal dachte sie, wozu eigentlich soviel Aufwand, doch dann sagte sie sich, es wäre für sie selber und sie fühle sich damit einfach gut. So mancher Mann wäre wohl in diesem Augenblick in Verzückung geraten. Angela hatte eine sehr sportliche Figur. Ihre Haut war stramm und nur wenig Fett lag darunter. Sie tat sehr viel für ihr Äußeres, achtete auf eine gesunde Ernährung und genügend Schlaf. Sie war vielleicht sogar ein wenig selbstverliebt, denn ihre Rundungen, saßen an den richtigen Orten.

Angela öffnete ihren BH, er kneifte nun doch ein wenig und sie legte ihn auf einen Stuhl. Ihre hübschen Brüste passten gut zu ihrer eher bienenhaften Figur. Ihr Bauch war flach und ihr Bauchnabel hatte diese kleine Lippe im oberen Teil. Kokett betrachtete sie sich im Spiegel und hatte so ein unbestimmtes Gefühl der Freiheit. Da war niemand, der sie nervte, keiner der dumme Fragen stellte. Sie konnte hier einfach splitter-faser-nackt herumstehen und niemand würde etwas davon mitbekommen. Sie fing an vor dem Spiegel zu tanzen und flirtete quasi mit sich selber. Sie zwinkerte sich selber zu und mit einem Gefühl der Unbeschwertheit ging sie ins Bad und ließ die Wanne vollaufen. Sie tauchte in das Schaumbad langsam ein bis sie ganz bedeckt wurde. Nun machte sie die Augen zu und begann zu trüumen.

In der großen Halle war gleißendes Licht. Undeutlich liefen viele Menschen umher. Sie konnte sich auf keinen konzentrieren. Versuchte sie es, bekam sie aber kein scharfes Bild. Es war hektisch, laut und sie wollte nur durchgehen. Am Ende der großen Halle stand ein Mann. Er zeigte ihr den Rücken. Ein starkes Gefühl verband sie mit diesem Typen. Wie ein Magnet zog er sie an. Seine Gestalt war groß und kräftig. Er trug einen langen Mantel, der bis kurz unter die Knie ging. Es erinnerte sie an einen Kinofilm, den sie gesehen hatte. Welcher war das nur? Sie musste im Traum angestrengt überlegen. Matrix ? Ja, da war so ein großer Kerl gewesen, der sie fasziniert hatte. Sie stand vor ihm. Er drehte sich langsam um und schaute ihr in die Augen. Es war ein kurzer Augenblick nur, doch seine dunkelblauen Augen hatten etwas Magisches. Seine Gesichtszüge hatten markante Formen, seine Haut war dunkel. Er registrierte Angela. Er musterte sie einen Moment mit aufmerksamen Blicken. Doch dann wandte er sich wieder um. Plötzlich war Angela wie weggezogen. Sie wollte den Mann ansprechen, doch dieser entfernte sich immer weiter weg.

  Der Raum war leer. Da stand ein einfaches Bett. Angela lag auf dem Bauch und hatte nur ein Höschen an. Es war dunkel, einige Kerzen leuchteten und sie hatte die Augen zu.

Er stand vor dem Bett. Sie sah nichts, spürte aber seinen gleichmäßigen Atem. Sie roch sein Parfüm. Es war kräftig und hatte einen eigenen Geruch, den sie nur bei ihm gewahr wurde. Er betrachtete sie eine Weile. Seine Blicke waren wie sanfte Federn, die über ihren nackten Körper fuhren. Sie spürte wo er sie anschaute. Ihr Nacken bekam eine leichte Gänsehaut. Sein Blick fuhr das Rückgrat  Wirbel für Wirbel hinunter, ganz langsam. Sie spürte den Wind und die Wärme dabei. Sein Blick ging in ihr blondes Haar, er durchwühlte es zärtlich und innig. Seine Lippen berührten nicht wirklich ihren Körper, doch sie spürte es, als wenn es so wäre. Wie ein Puppenspieler konnte der Mann sie anfassen. Unsichtbar waren seine Berührungen. Angela spürte, wie die Spannung in ihr stieg. Sie räkelte sich und spreizte ein wenig die Beine. Sie schwebte in dem Bett. Es war samten und weich und roch so wunderschön nach Blumen.

Seine Blicke streiften weiter über ihren Körper. Er fuhr die Schultern entlang, über die Oberarme hinab zu den Fingern. Dort kribbelte es, als sein Blick über ihre Fingerrücken streichte. Angela wollte mehr. Er solle ihre Hüften berühren. Ja, er solle sie dort streicheln. Es war wie ein Befehl. Urplötzlich spürte sie seine Wärme in den Seiten. Sein Griff war sanft aber bestimmt. Er knetete sie vorsichtig. Mit seinen Fingernägeln kratzte er sie dabei.

Ihr Höschen bedeckte gerade so das nötigste. Ihre Haut glänzte im Schein der Kerzen. Sein Blick strich darüber hinweg und sie spürte, wie er ihre Fesseln umfasste. Sie spürte den Druck und wünschte sich, er würde mit den Händen an den Innenseiten hochfahren. Dies passierte wie auf Kommando.

Die erste Nacht

 Das Taxi war bestellt, etwas Lippenstift wurde noch schnell aufgetragen und Angela überprüfte im Spiegel, ob alles ordentlich aussah. Sie war ein wenig nervös, denn den Laden, den sie sich ausgewählt hatte, kannte sie ja nicht und so ganz alleine in einer fremden Stadt, das trieb ihr schon den Puls ein wenig in die Höhe.

Sie unterdrückte die in ihr aufkommenden Zweifel, doch schließlich siegte ihre Neugierde und ihr Wunsch heute noch tanzen zu gehen.

Angela hatte sich einen kniehohen Jeansrock angezogen, dazu ein luftiges weißes Blüschen, doch dieses ließ den Blick auf ihren Bauchnabel freie Sicht, schwarze Sandaletten mit hohem Absatz. Darüber wollte sie die ausgewaschene Jeansjacke tragen. Auf ein Täschschen verzichtete sie, denn sie liebte es auch ein wenig 'dirty' in ihren Augen, was nicht mehr bedeutete, dass sie auf die üblichen weiblichen Insignien verzichtete. Doch eins, das hatte sie zu ihrer Sicherheit immer dabei, das waren Kondome.

Sie hatte sich noch eine silberne Kette um den Hals gelegt, wo eine kleine Perle schimmerte, das gab immer noch einen leicht edlen Touch für ihr Decoltée.

Der Taxifahrer war freundlich und sprach Angela auf Französisch an. Leider verstand sie die Sprache nicht und antwortete auf Englisch. Doch das war wohl kein Problem  für den Mann, denn er umschmeichelte sie nun mit ein paar wenigen Worten und fragte, wohin es ginge.

Angela las von einem Zettel den Namen ab und der Fahrer grinste sie daraufhin breit an. Er meinte, dass sie eine sehr gute Wahl getroffen hätte, denn dieser Ort sei sehr bekannt in Paris. Angela war erstaunt, dass der Taxifahrer diese Location kannte.

Die Fahrt dauerte nicht lange, und der Fahrstil des Mannes gefiel ihr. Er kannte scheinbar keine Lichtanlagen, noch Verkehrsschilder und erst recht keine Fahrbahnbegrenzungen. Es machte ihr Spaß, stand es doch sehr im Gegensatz zu ihrer auf Arbeit vorgetragenen Ernsthaftigkeit und Zuverlässigkeit. In ihrem Privatleben konnte sie schon mal ausbrechen, jedoch musste sie immer diejenige sein, welche die Kontrolle besaß.

Angela bezahlte den Fahrer, der ihr noch ein paar nette Komplimente machte. Sie musste schmunzeln, denn sie merkte, wie sie diese französische Art mochte. Vor allem der Akzent war es, der sie ein wenig erregte...überhaupt war ihr nun schon recht warm, obwohl es zu dieser Uhrzeit schon etwas klamm war in den Strassen. Auf dem Weg zum Eingang konnte sie eine kleine Schlange wartender Salseros sehen. Ein kurzer Anflug von Enttäuschung machte sich breit, denn sie mochte es nicht, zu warten. Doch die Reihe der Menschen erregte ihr Interesse, denn die Frauen waren sehr sexy gekleidet, sie konnte viele wenig umhüllte Beine sehen, die Haare waren kunstvoll frisiert und die Herren ließen auch nicht zu wünschen übrig. Angela leckte sich unbewusst über die Lippen und stellte sich an.

Die Zeit bis zum Eintritt verging recht schnell, denn die Gespräche, gehalten in vielen verschiedenen Sprachen wie Spanisch, Französisch, Englisch und andere, die sie nicht verstand, erregten ihre Aufmerksamkeit. Sie schmunzelte innerlich, denn das eine oder andere konnte sie verstehen und alle sprachen über tolles Tanzen, Liebe und dass man sich heute gut amüsieren wolle. Nun, das waren allesamt Eindrücke, die ihr die Lust auf einen gelungenen Tanzabend steigerten.

Nachdem sie an der Kasse zu ihrer Überraschung keinen Eintritt zahlen musste - heute war 'La nuit de la famme' - betrat sie das Szenario. Sie musste zunächst einmal innehalten, denn ihr begann es ein wenig zu schwindeln. Der Saal erschien riesig groß. Er war in verschiedene Nischen eingeteilt und im Zentrum war eine sehr große Tanzfläche, über der eine riesige Discokugel hing. Diese war umrahmt von verschiedenen Strahlern und Stroboskoplampen, die im Rhythmus der Musik flackerten und leuchteten.

Angela suchte sich eine Ecke, von wo aus sie das Szenario besserü berblicken konnte. Eine kleine Bar war gleich in Reichweite und sie bestellte sich sofort ein Glas Weißwein. Ja, sie wollte heute die Nacht feiern. Hier kannte sie niemand und sie würde sich schon gut unterhalten. Denn sie war nicht gerade unkommunikativ und hatte keine Probleme mit Männern in ein nettes Gespräch zu treten.

Da es schon gut gefüllt war an diesem Abend, fiel es nicht sehr auf, dass Angela alleine war. Zudem stand sie nur etwas abseits einer Gruppe junger Frauen, die mit ihren Freunden zu scherzen schienen. Überhaupt hatte alles eine recht lockere Atmosphäre in dem Saal und Angela fühlte sich irgendwie aufgenommen und heimisch.

Es dauerte nicht lange, da wurde sie schon höflich von einem kleineren Mann aufgefordert. Doch seine Augen hatten dieses kesse Funkeln, dass sie nicht nein sagen konnte.

Wie schon so oft, wurde das Lächeln des Mannes immer größer und er begann schon nach wenigen Taktschlägen Angela auszufragen. Doch da sie kein Französisch konnte, musste er mit gebrochenem Englisch versuchen, ihr die gewünschten Infos herauszulocken. Doch Angela machte keine konkreten Angaben und überspielte mit frechem Grinsen die Fragen. Sie tanzten zwei Tänze und Angela bedankte sich dafür. Der Mann war sichtlich ein wenig enttäuscht, doch fasste er sich und lächelte noch einmal nett zu Angela, als er ihr schließlich den Rücken zeigte.

Es verging keine Minute, da wurde sie schon vom nächsten Tänzer aufgefordert. Sie ließ gewähren, denn sie wollte sich ja austoben. Immer wieder wurde sie aufgefordert, etwas gemeinsam mit dem Tänzer zu trinken, doch sie lehnte höflich ab. Lange konnte das wohl nicht mehr gut gehen, denn sie stand immer wieder alleine und sie dachte sich, es macht vielleicht doch langsam den Eindruck, als wenn sie auf der Suche nach einem Abenteuer wäre.

Just in diesem Moment ihrer Gedanken stieß sie von der Seite ein großer Mann an. Etwas verwirrt und sogar etwas säuerlich, da sie einen spitzen Finger in ihrem Oberarm spürte und sie sich dachte, was demjenigen denn einfallen würde sie so anzufassen, erkannte sie das Gesicht. Einen Moment blieb ihr der Mund offen. Doch dann fing sie sich wieder und errang ihre Selbstbeherrschung. Es war Stephan! Ein Bekannter aus ihrer Heimatstadt, den sie vom Salsa tanzen kannte. Sie hatte ihn gelegentlich getroffen und auch schon den einen oder anderen Tanz mit ihm gehabt, doch irgendwie kam ihr Gespräch nie weiter, als dass sie aufgefordert wurde, er mit ihr tanzte, er ihr ein paar nette Komplimente machte, wie schön sie doch tanzen würde und schon war er wieder verschwunden. Ja, so war es mit Stephan. Und wenn sie ehrlich zu sich war, dann gefiel er ihr schon vom ersten Moment an, den sie ihn kannengelernt hatte. Doch scheinbar war nie ein günstiger Augenblick da gewesen, dass sie vielleicht einmal die Telefonnummern hätten wechseln können.

Mit einem breiten Grinsen umarmte Stephan Angela. Er versuchte ihr bei der hohen Lautstärke, die in dem Etablissement herrschte, zu erklären, warum er in Paris weilte. Ein Geschäftspartner hätte ihn eingeladen und er müsse einige Dinge mit ihm klären. Er blieb genau wie Angela nur wenige Tage und hatte sich auch vorgenommen die hiesige Salsaszene zu inspizieren, und sei es nur einen Abend lang. Beide mussten herzlich lachen, als Angela ihm ähnliche Aktivitäten und Absichten erläuterte. Angela fiel ein Stein vom Herzen. Nun war sie nicht alleine in dieser fremden Salsateca. Sie fragte Stephan, ob er nicht etwas mit ihr trinken mochte, da sie nun mittlerweile großen Durst nach den vielen Tänzen hatte. Stephan war zunächst etwas irritiert, denn er hatte wohl auch die Absicht gehabt, sie nach dem Smalltalk zum Tanzen aufzufordern. Nun, er ließ sich überreden und sie gingen an die nächste Bar.

Die Stimmung in der Salsateca hatte nun mittlerweile stark zugenommen. überall drehten und windeten sich Tanzpaare bei der sehr guten Musikauswahl. Es wurden alle möglichen Stilrichtungen, angefangen bei kubanischem Son hin zu modernem Salsa Jazz, gespielt. Es gab viele sehr gute Tanzpaare und Angela warf immer wieder einen Blick zu ihnen. Schließlich forderte Stephan sie zum tanzen auf.

Er nahm sie zärtlich in den Arm und Angela war ein wenig flau in diesem Moment. Es war schon sehr lange her, dass sie mit Stephan getanzt hatte. Und nun traf sie ihn weit ab von der Heimat in einer Pariser Salsateca. Sie mochte ihn, vielleicht sogar mehr, als sie sich gerade eingestand. Seine Berührungen waren weich und doch führte er sie mit Bestimmtheit und Freude, denn er grinste über beide Ohren. Es schien ihm auch großen Spaß zu machen. Angela war nun auch kein Anfänger mehr und hatte in den letzten Jahren einiges dazugelernt. Vor allem verstand sie es auch die kleinen "Nischen" zu nutzen, wo sie ihre Ladiesstyling anwenden konnte.

Stephans Parfüm gefiel ihr, sie hätte jetzt wohl am liebsten ihre Nase ganz nah an seinen Hals gehalten, doch sie biss sich innerlich auf die Zunge und riss sich zusammen. So einfach wollte sie es ihm nun auch nicht machen.

Dieser Gedanke durchzuckte sie innerlich, wie ein Stromschlag. Was hatte sie eben gedacht? Sie will es ihm nicht leicht machen? Ja, was denn? Verwirrt bemerkte sie, wie sie etwas erregt war. Die Musik, die Bewegungen und immer wieder diese schmeichelnden kräftigen Hände von Stephan hatten sie völlig in Rage gebracht. Sie brauchte eine kurze Pause. Sie bat ihn doch kurz inne zu halten. Stephan war verwirrt. Es kam sehr plötzlich für ihn, doch er willigte ein. Beide gingen wieder zu ihrem Platz, wo sie ihre Getränke hinterlassen hatten und Angela grinste Stephan breit an. Sie sagte ihm direkt ins Ohr, da die Lautstärke nun ein weiteres zugenommen hatte, dass sie diese Pause bräuchte, da es eben sehr gefährlich für sie gewesen war.

Ja, so war Angela. Eben noch nicht Herrin ihrer Gefühle, hatte sie sich gefangen, sich überlegt, wie der Abend weitergehen würde und sich gedacht, dass sie ja mal testen könnte, wie Stephan mit solcherlei Direktheiten umgeht. Es war wie in diesen lustigen Spielfilmen, wo plötzlich ein Engelchen und ein Teufelchen auf den Schultern des Protagonisten stehen und ihm ins Ohr suflieren, was er zu tun hätte. Nun war es der kleine Teufel, der Angela ins Ohr geflüstert hatte. Sie leckte sich unbewusst mit der Zunge über die trockenen Lippen und wartete nun Stephans Reaktion ab.

Fortsetzung folgt...